Nachdem die eigentlichen Montage- und Anschlussarbeiten beendet waren, mussten die Parameter der Heizungssteuerung festgelegt werden. Dabei wurde erstmal auf die Verbrauchswerte der letzten Heizperiode zurückgegriffen, um die Heizungskennlinie und weitere Parameter festzulegen. Da gleichzeitig mit dem Einbau der WP weitere Wärmedämmungsmassnahmen durchgeführt worden waren, war von Anfang an klar, dass diese Parameter noch zu optimieren waren.
Unsere Ansprüche an die Heizungsanlage : die maximale Temperatur in den Badezimmern sollte 23° sein, in keinem Raum sollte die Temperatur unter 19° fallen, und beim Duschen sollte das Warmwasser gerade so heiss sein, dass kein Kaltwasser zugemischt werden muss.
Mit diesen Parametern wurde dann bis September 2004 gearbeitet. Um halbwegs objektive Daten zur Kontrolle zu erhalten, wurden die Verbrauchswerte am Zählerplatz manuell täglich um cirka 18 Uhr erfasst und in eine Tabelle eingetragen. Änderungen der Arbeitsparameter wurden ebenfalls notiert. Das hat erstmal relativ viel Arbeit gemacht. Ziel war nicht nur ein optimierter Energieverbrauch sondern auch ein Minimum an manuellen Eingriffen in die Steuerung über das ganze Jahr hinweg. Gerade bei einem modernisierten Altbauten muss hier etwas mehr an Eigenarbeit aufgewandt werden. Das Heizungsleitungssystem ist historisch undokumentiert über die Jahrzehnte gewachsen. das bringt schon mal Überraschungen mit sich, die in der Planungsphase nicht bedacht wurden.
Die ersten Daten sahen dann so aus :

Am 7. musste die Heizung manuell ein-, am 18. wieder ausgeschaltet werden.
Da wir viel unterwegs sind, sollte das automatisiert werden. Die Fertiglösungen verschiedener Hersteller sind schlicht und ergreifend wahnsinnig überteuert und nur als Geldschneiderei zu bezeichnen. Bei Heliotherm kostet allein die Software ¤ 798,00 netto zzgl. 19% Mwst. Bei Dimplex werden allein schon für die serielle Schnittstelle 300,- fällig. Da sind dann aber noch keine Temperatursensoren im Haus mit drin. Für das Geld kann man Monate lang heizen. Ausserdem sind diese Fertiglösungen fast durchgehend für WinzigWeich-PC's ausgelegt. Wer keinen solchen Rechner besitzt, darf sich auch noch die Lizenzen aus Redmond dazukaufen. Anscheinend hat sich in den Entwicklungsabteilungen der Heizungsbauer noch nicht rumgesprochen, dass es Programmierlösungen gibt, die auf jedem Betriebssystem lizenzkostenfrei laufen. Bei vielen Fertiglösungen wird ausserdem noch ein kostenpflichtiges Officepaket aus Redmond vorausgesetzt, nur um die Daten in Tabellenform zu erhalten. bäääääh! Eine unverschämte Zumutung. Da Hardware- und Software sowieso für die Servicetechniker entwickelt werden, für Endkunden also nix extra entwickelt werden muss, kann man sich nur ärgern und nach anderen Lösungen suchen. Eine kurze Internetsuche ergibt auf Anhieb Dutzende von Treffern, mit denen sich für 25 bis 50 Euro zufriedenstellende Ergebnisse bei zwei bis drei Temperatursensoren erzielen lassen. Ein Temperatursensor DS 18S20, Messbereich -55 °C bis 125 °C kostet 5,95 € ( Netto 5,13 € ) zzgl. Versand. Da hat schon der Hersteller und der deutsche Versender jeweils seinen Profit dran gemacht...
Damit sahen die erweiterten Daten dann so aus :


Die Daten lassen sich nicht nur direkt in eine OpenOffice - Tabelle übernehmen, mit rrdtool lassen sich auch gleich ein paar informative Grafiken erstellen. Um ein paar Sensoren erweitert wird auch gleich noch die Temperatur im Server überwacht. Folgende Grafik wird viermal pro Stunde aktualisiert:
Der Aussensensor ist an der Südseite im Terassenbereich angebracht. Damit liegt die dort gemessene Temperatur auch mal zwei-drei Grad über der absoluten tatsächlichen Temperatur. Dafür können wir mit dieser Messanordnung besser die solaren Einstrahlungs-Gewinne mit erfassen.
Wer Informationen zum Nachbauen sucht : einfach mal im Netz nach DS1820 und Digitemp suchen. Die Firma HYGROSENS INSTRUMENTS GmbH bietet Fertigbauteile an, damit kommt man auf etwa 120,00 Euro Kosten. Unsere eigene Dokumentation gibts unter pinguin_termometer.html
Sehr nützlich war es, dass die Tauchheizkörper über manuelle Schalter ein- und auszuschalten sind. Gerade in den ersten Monaten experimentiert man mit den Einstellungen. Dabei kann es schon mal vorkommen, dass man Parameter setzt, die ein (ungewolltes) Zuschalten der Tauchheizkörper bewirken. Sind die ausgeschaltet, hat das keine zusätzlichen unnötigen Stromkosten zur Folge.
Im Oktober 2004 wurde die Heizung wieder eingeschaltet. Unangenehm überrascht waren wir, als die Heizungssteuerung mehrmals auf Störung ging. Ursache war die Regelung am Überstromventil. Wenn in der Übergangszeit zuviele Heizkörper zugedreht wurden, weil es in den Zimmern zu warm wurde, funktionierte dieser Teil nicht zuverlässig. Nach einigen Telefonaten wurde dieser Teil durch den Hersteller problemlos auf Kulanz ausgetauscht. Bei der Gelegenheit gabs auch gleich nen update auf die Software in der Steuerung. In den folgenden Monaten experimentierten wir mit den Parametern. Nach jeder Änderung warteten wir 14 Tage mit der Auswertung. Am schwierigsten war die Festlegung, welche Räume als Leiträume genutzt werden sollten und wie die Sonneneinstrahlung auf der Südseite des Hauses in die Regelung mit einbezogen werden konnte. Wir entschlossen uns die Badezimmer als Leiträume zu nutzen. Der Aussentemperaturfühler der Steuerung wurde versetzt. Kleinere Wärmebrücken wurden beseitigt. Grösstes Problem bei den Wärmebrücken : die Katzenklappen. Auch mit härtestem Trainingsaufwand war es nicht zu schaffen, die Katzen an die Benutzung der Haustür zu gewöhnen. Also wurde nur noch ein Durchgang verwendet und der bekam noch eine zweite Klappe auf der Aussenseite. Dieses Problem wird erst mit Fertigstellung des Wintergartens abschliessend gelöst werden.
Seid Februar 2006 arbeiten wir jetzt mit folgenden Einstellungen. Damit waren bisher keine weiteren manuellen Eingriffe an den Parametern der Steuerung nötig. Zweimal im Jahr wird die Heizung manuell jeweils an- bzw. ausgeschaltet. Die Heizkörperventile sind alle voll aufgedreht, nur in den Schlafräumen und in der Küche wird nach Bedarf runtergeregelt. Der Geschirrspühler und die Waschmaschine werden inzwischen am Warmwasseranschluss betrieben, was beim normalen Stromverbrauch übers Jahr etwa 300 KW/h einspart, sich beim Verbrauch der Wärmepumpe aber nicht merklich erkennbar zu Buche schlägt.
Letzter kleiner Kritikpunkt : die Steuerung kann sich nicht selbst von Sommer auf Winterzeit umstellen. Das sollte in diesem Jahrtausend eigentlich technisch nicht wirklich ein Problem sein. Jede Tschibo-Funkuhr für 8,95 bezieht ihre Zeitsynchronisation per DCF-Signal... Das kann an wenigen Tagen im Jahr zu nicht passenden Einstellungen bei der Absenkungszeit bzw. -temperatur führen. Wenn jemand eine Idee hat, wie man das kostengünstig in den Griff bekommen kann, ohne die Steuerung zu verschrotten, bitte Info.
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